Flüssig gewordene Sehnsucht

fizzing sea wave

Die Brandung.

Immer wieder
wirft sie die Wellen an den Strand,
als gäbe es kein anderes Ziel,
als müssten sie etwas erreichen,
das sie nie halten können.

Es ist, als rufe dich das Meer.
Nicht laut.
Eher ein Ziehen,
tief unter der Haut.

Eine Sehnsucht,
flüssig geworden.

Du bleibst stehen.
Ziehst Schuhe und Strümpfe aus,
lässt sie achtlos zurück.

Der Sand trägt dich.
Hell, fast unwirklich,
durchzogen von Muschelschalen,
zerbrechlich wie das,
was in dir nachklingt.

Du gehst weiter.
Schritt für Schritt.

Bis das Wasser dich erreicht.

Kalt.
Zärtlich.
Unaufhaltsam.

Es umspült deine Füße,
zieht sich zurück,
kommt wieder —
als würde es dich prüfen,
oder erinnern.

Und für einen Moment
hörst du auf, dich zu wehren.

Da ist keine Grenze mehr.
Nicht zwischen dir und dem Meer.
Nicht zwischen dir und dem,
was dich ruft.

Nur dieses leise Wissen:

Du bist nicht getrennt.

Du warst es nie.