Als du geboren wurdest, war das Unfassbare längst geschehen.
Die Welt, in die du kamst, war keine für Kinder.
Dein Weg zur Schule führte nicht durch Unbeschwertheit,
sondern durch Wachsamkeit.
Wenn die Luft laut wurde,
sprangt ihr in den Graben,
hieltet den Atem an,
als könnte Stille euch retten.
Auf dem Hof, neben der Scheune,
stand diese Maschine,
groß und fremd,
gegen den Himmel gerichtet –
als ließe sich die Angst vertreiben.
Der Vater war weit weg.
Verloren auf Feldern,
auf denen nichts wuchs
als die Furcht,
die Heimat nie wiederzusehen.
Gefangen in einem System,
das Menschen brach,
lange bevor es sie gehen ließ.
Und du –
du hast gelernt zu überleben,
früher, als ein Kind es je sollte.
Doch etwas in dir
ist ganz geblieben.
Aus dem, was man dir genommen hat,
ist in dir etwas gewachsen:
Hoffnung.
Leise,
aber unbeirrbar.
Als der Vater zurückkam,
war er ein Fremder.
Und doch hast du gesehen,
was aus ihm geworden war.
Vielleicht auch,
was aus euch allen geworden war.
Dein Leben war kein leichtes.
Es war ein Geben.
Ein Dasein.
Ein stilles Tragen.
Alles, was dir gefehlt hat,
hast du uns geschenkt:
Liebe.
Geborgenheit.
Sicherheit.
Und mehr noch –
eine Art, Mensch zu sein,
die bleibt.
Heute wärst du 90 Jahre alt geworden.
Und ich merke,
wie sehr du fehlst.
Nicht nur heute.
An jedem einzelnen Tag.
