Geburtstag

close up shot of hands of an analog clock

Als du geboren wurdest, war das Unfassbare längst geschehen.
Die Welt, in die du kamst, war keine für Kinder.

Dein Weg zur Schule führte nicht durch Unbeschwertheit,
sondern durch Wachsamkeit.
Wenn die Luft laut wurde,
sprangt ihr in den Graben,
hieltet den Atem an,
als könnte Stille euch retten.

Auf dem Hof, neben der Scheune,
stand diese Maschine,
groß und fremd,
gegen den Himmel gerichtet –
als ließe sich die Angst vertreiben.

Der Vater war weit weg.
Verloren auf Feldern,
auf denen nichts wuchs
als die Furcht,
die Heimat nie wiederzusehen.
Gefangen in einem System,
das Menschen brach,
lange bevor es sie gehen ließ.

Und du –
du hast gelernt zu überleben,
früher, als ein Kind es je sollte.
Doch etwas in dir
ist ganz geblieben.

Aus dem, was man dir genommen hat,
ist in dir etwas gewachsen:
Hoffnung.
Leise,
aber unbeirrbar.

Als der Vater zurückkam,
war er ein Fremder.
Und doch hast du gesehen,
was aus ihm geworden war.
Vielleicht auch,
was aus euch allen geworden war.

Dein Leben war kein leichtes.
Es war ein Geben.
Ein Dasein.
Ein stilles Tragen.

Alles, was dir gefehlt hat,
hast du uns geschenkt:
Liebe.
Geborgenheit.
Sicherheit.

Und mehr noch –
eine Art, Mensch zu sein,
die bleibt.

Heute wärst du 90 Jahre alt geworden.
Und ich merke,
wie sehr du fehlst.

Nicht nur heute.
An jedem einzelnen Tag.

Chester

Wir sind durch die Jahre gegangen

wie durch weiches Licht –

du neben mir,

manchmal vor mir,

nie wirklich fort.

Auf den Ausstellungen

standest du im Glanz,

getragen von Menschenhand –

und doch war es dein Wesen,

das alle Blicke hielt.

Und dann wieder die Wege,

die nur uns gehörten:

Schritte im Gras,

der Atem der Zeit zwischen uns,

kein Ziel, nur Sein.

Du bist gelaufen, Chester –

so selbstverständlich,

als gäbe es kein Ende.

Und vielleicht gibt es das auch nicht.

Denn jetzt,

wo deine Schritte leiser werden,

sprichst du auf eine andere Weise:

in deinem Blick,

in deiner Nähe,

in dem, was bleibt,

wenn alles andere langsamer wird.

Sechzehn Jahre –

und kein einziger davon verloren.

Nur verwandelt

in Liebe,

die nicht vergeht.

Kolumne zum Wochenende

close up shot of books


Die Abkehr von Kindle, Tolino und Co.

Was mich dazu bringt, darüber zu schreiben, kann ich gar nicht so genau sagen. Vielleicht sind es die kleinen Dinge, die sich nicht aufdrängen und doch bleiben. Vor ein paar Tagen nahm ich meinen Kindle vom Schreibtisch. Ich wollte nur kurz nachsehen, was ich darauf gespeichert habe. Ob da vielleicht noch Bücher sind, die ich längst gekauft, aber nie gelesen habe. So eine stille Neugier, mehr nicht.

Die Batterie war leer. Nicht ein wenig – ganz. Das Gerät blieb stumm. Ich suchte ein Kabel, fand schließlich eines, schloss es an und legte den Reader zurück auf den Tisch. Morgen, dachte ich. Doch dieses Morgen kam nicht. Und während das Gerät dort lag und langsam wieder zu sich kam, wurde mir etwas anderes klar: Elektronische Bücher haben ihren Platz, auch in meinem Leben. Aber sie bleiben merkwürdig leicht. Fast zu leicht.

Im Urlaub zum Beispiel. Man nimmt sich vor zu lesen. Endlich einmal. Vielleicht dieses eine Buch, das schon so lange wartet. Doch dann steht man vor der Entscheidung, welches man mitnimmt. Es wiegt, nimmt Platz ein, liegt später vielleicht doch nur im Hotelzimmer. Der Reader dagegen wirkt wie die bessere Lösung: leicht, unauffällig, gefüllt mit einer ganzen Bibliothek. Eine kleine Welt in der Hand.

Und doch ist da dieser Moment. Man liegt am Strand, denkt: Jetzt lese ich. Aber das Buch ist nicht geladen. Oder gar nicht erst heruntergeladen. Kein WLAN, kein Zugriff. Das Smartphone liegt im Safe, aus guten Gründen. Versprochen ist versprochen. Und plötzlich ist da nichts als Leere. Vielleicht auch dieser leise Gedanke: Ein Buch würde jetzt reichen.

Natürlich hätte man daran denken können. Vorher. In Ruhe. Aber man hat es nicht.

Ich weiß nicht, wie viele Bücher Sie besitzen. Aber ich stelle mir vor, dass irgendwo in Ihrem Zuhause ein Regal steht. Still, verlässlich, ohne jede Eile. Darin reihen sich Bücher aneinander, jedes für sich, und doch alle verbunden durch die Zeit, die sie tragen. Es gibt diesen Moment, in dem man eines herausnimmt, es aufschlägt, ohne ein bestimmtes Ziel. Man blättert. Bleibt hängen. Und merkt, wie etwas in Bewegung kommt.

Ich glaube, Bücher haben eine Seele. Sie tragen mehr als nur Worte. Sie tragen Zeit. Meine Zeit. Die Zeit, in der ich sie gekauft habe. Oder geschenkt bekam. Sie bewahren etwas von dem, was war, und geben es zurück, wenn ich sie wieder öffne. Es ist, als läge zwischen den Seiten nicht nur Text, sondern Erinnerung.

Bücher altern. Wie wir. Sie werden weicher, vielleicht auch brüchiger. Nicht mehr makellos. Aber gerade darin liegt ihr Wert. Sie verändern sich, ohne zu verschwinden.

Eines meiner Bücher ist David Copperfield von Charles Dickens. Wenn ich es aus dem Regal nehme, bin ich wieder an einem See meiner Jugend. Sommer. Wasser. Zeit, die sich anders anfühlte. Ich blättere langsam, fast vorsichtig, und plötzlich ist er wieder da, dieser Duft von Papier, von Sonne, von etwas Vergangenem, das nicht ganz vergangen ist.

Manchmal stehen Bücher eines Autors nebeneinander, Band für Band, Jahr für Jahr. Dann sieht man es förmlich vor sich: ein Leben, geordnet, sichtbar geworden. Und zugleich erzählt jedes Regal auch etwas über den, dem es gehört. Es zeigt, was ihn interessiert, was ihn begleitet hat. Und manchmal bleibt jemand davor stehen, schaut, erkennt etwas wieder. Vielleicht ein Buch, das er selbst gelesen hat. Und dann beginnt ein Gespräch. Ganz ohne Vorbereitung. Einfach so.

Versuchen Sie das einmal mit einem Reader. Der irgendwo in einer Schublade liegt. Still. Dunkel. Wartend.

Ich wünsche Ihnen eine gute Lesewoche.

Als die Welt stillstand

horses running in a shadow

Er ging, ohne sich zu verabschieden.

Die Stimmen blieben hinter ihm zurück, das Lachen, das Klirren von Gläsern – alles verlor sich, noch bevor er die Straße erreichte. Es war eine dieser Feiern, die Menschen veranstalten, nur weil sie älter geworden sind. Er hatte nie verstanden, warum man das feiert. Mit jedem Jahr, dachte er, rückt der Tod näher.

Leise. Unaufhaltsam. Warum also diese Annäherung feiern?

Geboren zu werden war keine Leistung. Das hatten andere entschieden. Seine Eltern. Vielleicht war selbst das nur ein Zufall gewesen, ein Versehen. Und ein Versehen – was gäbe es daran zu feiern?

Er pfiff leise. Chester kam sofort.

Die Halsung, eine feine Lederarbeit einer Freundin, lag ruhig um seinen Hals. Kein Widerstand, kein Zögern. Das leise Klicken des Karabiners klang wie ein kleines Versprechen.

Dann gingen sie.

Der Weg führte hinaus aus dem Ort, hinein in die offene Nacht. Der Mond stand hoch, bereits im Abnehmen, und legte ein blasses Licht über die Felder. Rechts das Maisfeld, dicht und hoch. Links die dunkle Buchenhecke. Ein schmaler Gang durch Schatten. Für einen Moment stellte er sich vor, ein Zug käme ihnen entgegen. Er würde ihn nicht sehen, bis es zu spät wäre.

Über ihnen flatterten Fledermäuse. In der Ferne rief eine Eule.

„Jetzt jagen sie“, sagte er leise. „Sie finden ihre Beute – und die Beute weiß es.“

Er hatte keine Angst. Es gab nichts, was ihm Angst machen konnte.

Hinter der Straße wurde es weiter. Offener. Die abgeernteten Felder lagen still, und die Eichen standen darin wie stumme Wächter. Hoch, unbeweglich, als hätten sie alles schon gesehen. Chester blieb stehen, schnupperte, ging weiter, blieb wieder stehen. Er lebte in einer Welt, die ihm verschlossen blieb.

Du hast es gut, dachte er.

Kein Gestern. Kein Morgen. Nur jetzt. Und doch – du hast etwas, das uns fehlt. Du vertraust. Du gehst einfach mit. Immer.

Der Nebel kam langsam. Er kroch über die Felder, legte sich in die Senken, wurde dichter. Das Licht des Mondes verlor seine Schärfe, wurde weich, beinahe milchig. Die Luft roch nach feuchter Erde, nach Gras, nach Verfall.

Als sie die Pferde hörten, blieben sie stehen. Zuerst nur ein Schnauben. Dann das leise, dumpfe Trommeln von Hufen. Die Körper tauchten aus dem Nebel auf, groß und ruhig, als gehörten sie nicht ganz in diese Welt.

Chester erstarrte.

Still. Wach.

Die Pferde kamen näher. Schritt für Schritt, bis sie an der Umzäunung standen.

Er hob die Hand. Eine Fuchsstute trat vor, senkte den Kopf und legte ihre warmen Nüstern in seine Hand. Er bewegte sich nicht.

Für einen Moment war alles still.

Nicht nur ruhig – still. Als hätte die Welt selbst aufgehört, sich zu drehen.

Dann bellte Chester.

Ein kurzer Laut – und alles zerbrach.

Die Pferde stoben auseinander, verschwanden im Nebel. Hufe, Atem, Bewegung – dann nur noch Klang, dann nichts mehr. Der Nebel nahm sie auf. Als wären sie nie da gewesen.

Er blieb stehen.

Atmete ein.

Aus.

Dann griff er nach der Leine. Sie gingen weiter.

Der Weg war kaum noch zu erkennen. Alles war Grau geworden, weich, grenzenlos. Erst weit vorne erschienen Lichter. Warm. Still. Menschlich.

Dort saßen sie. Vor ihren Bildschirmen. Und wussten nichts.

Noch ein paar Schritte.

Dann war die Nacht wieder vorbei.

vom Bleiben des Meeres

Was denkst du, wenn du an das Meer denkst?

Ich weiß es nicht.

Aber ich kann dir sagen, woran ich denke.

Es ist früh am Morgen.

Noch bevor ich das Meer sehe, nehme ich es wahr:

Ich schmecke das Salz auf meinen Lippen, rieche die Luft, die vom Wasser ins Landesinnere zieht. Sie ist kühl, klar und trägt etwas in sich, das älter ist als jeder Gedanke.

Erst später höre ich das Meer.

Ein fernes, gleichmäßiges Rauschen.

Manchmal glaube ich, es ruft nach mir.

Dann gehe ich durch die Dünen.

Sie sind hoch, lang gezogen, vom Wind geformt. Der Sand gibt unter meinen Schritten nach, und mit jedem Schritt öffnet sich der Horizont ein wenig mehr –

bis es plötzlich vor mir liegt.

Das Meer.

Die Sonne steht noch tief.

Ihr erstes Licht fällt flach über das Wasser und lässt die Wellen aufleuchten. An diesem Oktobermorgen sind sie hoch. Der Wind treibt sie an den Strand, lässt sie brechen, lässt sie auslaufen, weit, immer weiter.

Der Schaum bleibt zurück.

Er legt sich über den Sand wie eine dünne Schneeschicht.

Manchmal hebt ihn der Wind wieder an und trägt ihn ein Stück weit in die Dünen hinein, als wären es Flocken, die sich verirrt haben.

Ich beuge mich hinab, nehme eine Handvoll davon.

Er ist leicht, fast nichts – und doch spüre ich sofort das Salz auf meiner Haut, als ich ihn über mein Gesicht und meinen Hals streiche.

Für einen Moment halte ich inne.

Bin ich jetzt Teil davon?

Oder war ich es immer schon?

Die Sonne steigt höher.

Das Licht wird klarer, der Tag beginnt.

Ich wende mich ab und gehe zurück in die Dünen.

Ich drehe mich nicht um.

Man verabschiedet sich nicht vom Meer.

Denn das Meer bleibt.

Nicht nur dort draußen –

sondern auch in mir.

Am Rand der Dünen ist es inzwischen hell geworden. Der Wind hat nachgelassen, alles wirkt ruhiger.

Und doch höre ich sie noch, die Wellen.

Leise.

Beständig.

Und ich weiß:

Ich werde zurückkehren.

Kolumne zum Wochenende

Kinderwagen

Wenn ich so aus dem Fenster schaue, dann sehe ich viele Menschen die sich draußen im Grünen aufhalten. Kinder die dort spielen, Jugendliche die sich treffen zum Reden oder Skateboardfahren. (Hoffentlich nicht um Drogen zu verticken) Was ich auch sehe, dass sind Eltern, bzw. überwiegend junge Mütter, die ihr Kind, im Kinderwagen sitzend, spazieren gehen.

Nun wissen wir alle, dass sich zwischen den Kindern und den Eltern in den ersten Monaten und Jahren ein festes Band entwickelt. Aber ich frage mich doch, wie das überhaupt gehen soll, wenn nämlich genannte Mütter und auch Väter, während sie den Kinderwagen vor sich herschieben, in ihr Smartphone schauen. Ist es so, dass diese Elternteile zu Hause, also wenn sie mit ihrem Nachwuchs zu Hause sind, so gar keine Zeit haben den Freuden des Internets zu widmen, oder ist es so, dass der Konsum des Internets sich nahtlos beim Spazierengehen fortsetzt?

Eine besondere Situation habe ich erst vor einigen Tagen erlebt. Die Mutter schaute unentwegt, und das meine ich auch so, nämlich über mehr als 100 m ständig auf ihr Smartphone. Das Kind wedelte mit den Armen und gab auch Laute von sich, die ich sogar hier oben im Büro hören konnte. Reaktion der Mutter: keine. Nun mag es daran liegen, dass sie das Smartphone so laut gestellt hatte, dass sie ihr Kind gar nicht hören konnte, oder aber, und das nehme ich eher an: Es war ihr schlicht egal. Was lernen diese Kinder? Sehr schnell genau das, was die Wirklichkeit ist, nämlich: Hat Mama das Smartphone in der Hand, bin ich abgeschrieben, somit oft, sehr oft. 

Vielleicht mögen sie, liebe Leser das für überzogen halten, aber Eltern sollten doch wohl mit ihren Kindern in Kontakt treten wenn diese das wollen, oder? Ansonsten werden diese Kinder schnell lernen, dass Mutter oder Vater nicht ihre wichtigsten Personen sein können, da sie ja meist mit anderen Dingen beschäftigt sind. 

Gute Nacht

Kolumne zum Wochenende

group of people joining hands

Wohin driften wir?

Driften ist ne feine Sache, so lange man es unter Kontrolle behält. Sonst kann es schnell unangenehm werden und es wird ein Schaden ungeahnten Ausmaßes.

Oft sagt man, Deutschland driftet. Viele meinen, es driftet nach links. Dann gibt es Stimmen, die sagen Deutschland driftet in eine ausländerfeindliche Gesellschaft nach rechts ab. Zudem noch die Meinung Deutschland driftet wieder in eine judenfeindliche Gesellschaft ab.

Wie dem auch sei, aber politisch und gesellschaftlich sollte dieses Land nirgendwohin driften. Es ist Aufgabe der Politik, gefährliche Entwicklungen aufzuhalten, solange es noch möglich ist. Demokratie soll ja vieles aushalten müssen, das ist sicherlich richtig. Unliebsame Meinungen, ja, auch solche, die richtig weh tun, bei denen man schlucken muss, müssen wir aushalten. Der Wert einer Demokratie misst sich danach, wie sie mit Andersdenkenden umgeht.

Die Büchse der Pandora

Jahrzehntelang glaubten wir, dieses Deutschland sei gefestigt in Moral und Vernunft. Die Erfahrungen des Nationalsozialismus hätten die Deutschen wach und wachsam gemacht. Wir glaubten, die Gesellschaft wäre ein Bollwerk gegen jeden Radikalität. Weit gefehlt. Die Corona Zeit hat es uns vor Augen geführt. Die Politik bekam Lust (und leider eben auch Gelegenheit) über die Freiheit der Menschen zu bestimmen. Alles um im Namen der vermeintlichen Todesseuche Corona, Herr zu werden. Ich will, und kann hier nicht die Corona Zeit aufarbeiten, dennoch sollten wir uns erinnern. Erinnern an die Gängelei, die Bevormundung, an die moralisch erhobenen Zeigefinger. An das Menekel das an der Wand der Gesellschaft sichtbar wurde. Würden wir nicht der Wissenschaft folgen, (folgen, wieder so ein Unwort) dann würden die Liebsten von uns, die alten und die ganz jungen Menschen, sterben wie die Eintagsfliegen im Hochsommer. Ich habe immer noch das Bild vor Augen wie im Hamburger Jenisch-Park die Polizei mit einem Einsatzwagen, Jagd auf feiernde Jugendliche machte, die von ihrem Grundrecht der Versammlungsfreiheit Gebrauch machten. Ebenso die ersten Bilder aus Bergamo in Italien, die einen Treck von Militär LKW zeigten, die im Dunkeln durch die Stadt fuhren, um Hunderte von Corona Toten aus der Stadt zu bringen. Vergleichbar mit Gemälden, die den Abtransport von Pest-Toten im Mittelalter zeigen, die auf Eselskarren gestapelt aus der Stadt gefahren wurden, um der Seuche Herr zu werden.

Lust an der ungezügelten Macht

Die Politik merkte schnell, wie einfach und leicht sich Grenzen verschieben ließen. Folgsam fügte sich eine Mehrheit der Gesellschaft, den alltäglichen Mahnungen und Horrorszenarien, die vor allem der Gesundheitsminister und einige wohl mit hellseherischen Fähigkeiten versehenden Virologen verbreiteten. Sogar Podcast mit diesen angstmachenden Prognosen gab es und unendlich viele hörten sie gebannt und schalteten dabei ihr eigenes Gehirn aus. Wenn es schon so viel „Experten“ sagten, dann müsse es ja wohl auch so sein. Die Massnahmen, die die Grundrechte einschränkte wurden übrigens ohne Legitimation des Bundestages beschlossen.

Der größte Lump im ganzen Land ……..

Langsam schlich sich das Gift der Denunziation ein. Feiernde wurden bei der Polizei gemeldet. Menschen die „zu spät“ im Auto erwischt wurden, bekamen saftige Bußgelder aufgebrummt. Die Städte und Ortschaften glichen Totenstädte. Man traute sich abends kaum noch raus und Menschen mit Hunden fragten tatsächlich beim Ordnungsamt an, ob sie denn den Hund abends noch ausführen durften. Das alles ging ganz schnell. Von einer geordneten Gesellschaft glitt alles in eine totalitär regierte anmutende Gesellschaft, die mit Angst und Repression in Schach gehalten wurde. Die Folgen daraus sind noch nicht abschätzbar. Doch viele sagen sich: Das passiert mir nicht wieder. Ich bin da skeptisch.

Die moralische Keule tötet die Demokratie

Doch es gibt noch etwas, dass sich im Unguten bewegt: Die fehlende Akzeptanz der Andersdenkenden. Wer Dinge benennt, die nicht in den Kanon des linksgrünen Moralwächter passt, der wird schnell mit der Nazi Keule bedroht. Wer das Offensichtliche, wie zum Beispiel, dass Einwanderer aus muslimisch geprägten Staaten überproportional an Gewalttaten beteiligt sind, benennt, der wir zum Ausländerfeind erklärt. Nicht Fakten, sondern das moralisch nicht Akzeptierte ist das Problem. Eine frische Debattenkultur, das wünsche ich mir zurück. Ja, zurück, denn die hatten wir mal. Alles hat sich mittlerweile verschoben. Da wird wegen jeder Äußerung Übel genommen. Sofort ist man gekränkt und Politiker in den höchsten Ämtern fühlen sich beleidigt. Strafanzeigen gegen Bürger sind heute an der Tagesordnung. Das ganze gipfelt dann in einer Hausdurchsuchung. Wer eine Ministerpräsidentin als „Märchenerzählerin tituliert, der bezahlt ein saftiges Bußgeld mit Androhung von Erzwingungshaft.

Majestätsbeleidigung in einer Demokratie

Es sind Worte, es sind Demonstrationen, die das Volk hat, um gegen Regierende zu demonstrieren. Wir sind sicher weit weg von einer Diktatur, doch gibt es Züge in der Politik, die eindeutig diktatorisch sind. Die Verächtlichmachung der Politiker gehörte schon immer zum Wesen einer demokratischen Gesellschaft. Politiker der SPD fordern tatsächlich, dass die Verächtlichmachung von Politikern unter Strafe gestellt wird. Die Arbeitsministerin Bärbel Bas, wurde auf einer Versammlung von Arbeitgebern ausgelacht, weil sie offensichtlichen Unsinn erzählt hat. Statt das allerdings zuzugeben, erklärte sie nachfolgend, dass die wahren Feinde der Politik, die Unternehmer seien.

Das schleichende Gift

Wie schon erwähnt, muss die Politik, müssen die Regierenden, sich darum kümmern, dass jeder in diesem Land sicher ist. Sicher vor gewalttätigen Extremisten, die darauf aus sind unsere Gesellschaft zu Fall zu bringen. Die, die mit Verachtung auf unsere freie Gesellschaft schauen und mit einer unerträglichen Überheblichkeit auftreten. Heute ist es wieder so weit, dass Tausende durch die ehemalige Reichshauptstadt ziehen und ungeniert den Tod aller Juden fordern. Das Gift des Antisemitismus war nie weg. Die Freude es den Juden „heimzuzahlen“ ist tatsächlich in der Gesellschaft wieder „en Vogue“. Kritik an der Situation in Nahost wird gern genutzt um pauschaliert die Juden für alles verantwortlich zu machen. Ganz offen geschieht das sogar in Teilen von demokratisch gewählten Abgeordneten der Kommunen und sogar des Bundestages. Politikerdarteller aus Linkspartei posieren ganz ungeniert mit Hamas-Freunden auf Demonstrationen. Es besteht die ernstzunehmende Möglichkeit, dass jemand mit dieser antisemitischen DNA, im Jahr 2026 Bürgermeister von Berlin wird und alle finden das ganz normal.

Die Angst vor der Vergangenheit die uns einholt

Man muss nicht dieser Leier kommen, dass jüdisches Leben in Deutschland selbstverständlich sein sollte. Was sollte es denn sonst sein? Wie kann es sein, dass vor Synagogen Polizeiwachen stehen? Wie kann es sein, dass mich eine Verkäuferin in der Bäckerei, in der ich meine Brötchen Sonntags kaufe, mich sichtlich nicht bedient, weil ich einen Davidstern offen trage? Ihr verächtlicher Blick war schmerzhaft. Wie kann es sein, dass in einem Laden in Flensburg jemand ungeniert ein Schild platziert, auf dem steht, dass Juden hier nicht erwünscht sind? All das wird mit zur Schau gestellter Betroffenheit kommentiert und dann kommt wieder dieses unsägliche „Nie wieder“.

Ich habe aber immer noch Hoffnung, das die politischen Verantwortlichen und die Gesellschaft insgesamt erkennen, wo die wahren Feinde unserer Gesellschaft sind.

Jann-Bernd Webermann

25.12.2025

Aphorismen

clouds and blue sky

Ist das Selbst das Ich?

Ist Schweigen Nichtsprechen?

Können ungesagte Worte aufgeschrieben werden?

Wissen die, die im Jenseits sind, um das Diesseits?

Was ist zwischen dem Diesseits und dem Jenseits?

Ist die Seele ein Teil von uns oder sind wir ein Teil von ihr?

Können wir jenseits der Wege gehen?

Gibt es jenseits der Sprache nur das Schweigen?

Wenn der Weg das Ziel ist, wie kommen wir zurück?