Kolumne zum Wochenende

close up photo of a letter

Post

Wenn wir heute den Briefkasten öffnen, finden wir Werbung und Briefe vom Finanzamt oder den Energieversorgern. Die sind zwar nicht gerade mit Sonnenschein und Blumen geschmückt, aber sie erinnern uns daran, dass wir uns um unsere Finanzen kümmern sollten.  Natürlich ist das völlig normal, aber manchmal fragt man sich, ob nicht auch mal ein freundlicher Gruß dabei sein könnte, wie zum Beispiel: „Das Finanzamt wünscht Ihnen Gesundheit, damit Sie noch lange fit und munter bleiben und uns weiterhin unterstützen können.“  Nun ja, das ist wohl etwas zu viel verlangt, da unsere Finanzpartner ihr Geld ja sowieso bekommen.  Letztendlich ist es wichtig, seine Verpflichtungen zu erfüllen, und so haben wir uns seit dem frühen Mittelalter auch nicht wirklich weiterentwickelt. Nur die Methoden sind heute ausgeklügelter und diffiziler geworden.

Ach, der Briefkasten – ein Ort voller Erinnerungen und Überraschungen! Wann haben Sie denn zuletzt einen persönlichen Brief bekommen? Nicht so einen von den üblichen Absendern, sondern einen echten, handgeschriebenen Brief. Für die Jüngeren unter uns: Stellt euch vor, ihr schreibt eine WhatsApp-Nachricht, druckt sie aus und steckt sie dann in einen Umschlag. Diesen bringt ihr dann zur Post, die ihn für eine kleine Gebühr zum Empfänger bringt. Das dauert meist ein paar Tage, und montags gibt es ohnehin keine Post mehr – außer von denjenigen, von denen ich ja schon erzählt habe.

Sobald der Brief abgeschickt ist, gibt es kein Zurück mehr. Man könnte natürlich nochmal anrufen oder hoffen, dass er sich verirrt, aber meistens kommt er genau dann an, wenn man ihn am wenigsten braucht – zum Beispiel, wenn man sich im Ton etwas vergriffen hat.  Daher ist es wichtig, gut zu überlegen, was man schreibt. Ich empfehle, einen handgeschriebenen Brief zunächst am Computer vorzuformulieren. Warum? Nun, das verrate ich euch gleich!

Ach, die guten alten Zeiten, als man noch mit einem edlen Parker-Füller auf handgeschöpftem Papier schrieb!  Man war stolz auf sein Werk, bis zum letzten Wort. Und dann, oh Schreck, der Füller kleckste, die Tinte lief aus – und schon war die Freude dahin.  Wer kennt das nicht?

Natürlich, heute ist es viel einfacher, am Computer zu schreiben.  Man kann schnell korrigieren und muss sich nicht so viele Gedanken um die Handschrift machen.  Und E-Mails sind natürlich viel schneller und günstiger als Briefe.  Aber mal ehrlich: Sticht so eine E-Mail wirklich aus dem ganzen Mail-Wust heraus?  Oft landen sie direkt im Papierkorb und sind dann weg – für immer.

Die digitale Welt hat natürlich auch ihre Vorteile.  Morgens aufwachen und gleich sehen, wer einem noch geschrieben hat, während man geschlafen hat.  Und um den anderen nicht zu enttäuschen, schickt man schnell eine Antwort.  Wir sind es gewohnt, bei jedem Piepsen oder Klingeln sofort nachzuschauen, wer geschrieben hat.  Aber ist das wirklich gut für uns?  Vielleicht sollten wir uns manchmal Zeit nehmen, einen Brief zu schreiben und die Freude am Schreiben wiederentdecken.

Ach, analoge Briefe!  Erinnern Sie sich noch an das aufregende Warten auf den Postboten, der in seinem VW Käfer schon von Weitem zu sehen war?  Mit seiner Uniform und Mütze strahlte er Seriosität und Verlässlichkeit aus.  Und dann endlich, nach Tagen der Sehnsucht, war der ersehnte Brief da!  Man nahm sich Zeit, ihn nicht einfach am Briefkasten aufzureißen, sondern setzte sich in Ruhe an den Schreibtisch.  Mit einem Brieföffner – er musste ja nicht unbedingt aus Sterling-Silber sein, aber es hatte schon etwas Respektvolles – öffnete man den Brief vorsichtig.  Bevor man jedoch hineinschnupperte, betrachtete man den Brief als solches: die Schrift, den Umschlag.  Vieles verriet die Stimmung des Absenders, die auf der Rückseite stand.  Einen Brief von der Liebsten zu bekommen, das war ein Gefühl, das viele junge Menschen heute nicht mehr kennen.  Den Brief aus dem sorgfältig geöffneten Umschlag zu nehmen und mit schnell schlagendem Herzen und zitternden Fingern auseinanderzufalten – einfach herrlich!  An dem Papier zu schnuppern, in der Hoffnung, den Duft der Liebsten aufzunehmen.  Jedes Wort wirkte wie Poesie.  Man hörte förmlich die Stimme des Absenders.  Immer und immer wieder las man den Brief.  Und immer wieder entdeckte man neue Facetten.

Trauen Sie sich doch mal wieder, einen handgeschriebenen Brief zu schreiben!  Es muss ja kein Liebesbrief sein.  Die Freude, eine Antwort schriftlich zu bekommen, ist – gerade in dieser WhatsApp-geprägten Zeit – unbezahlbar.  Ein Brief zeigt die Verbundenheit von Menschen, die sich mögen.

Seien Sie mutig!

Aber bleiben Sie bitte auch digital. Sonst hätten Sie diesen Text ja nicht lesen können.

Ich wünsche Ihnen eine schöne Woche!

Kolumne zum Wochenende

Die neue Selbstverständlichkeit der Angst

Sonntag. Die Luft steht. Die Bäume rühren sich nicht. Man könnte meinen, sie hätten gelernt, dass es sicherer ist, nicht aufzufallen. Bloß kein Geräusch. Bloß kein Anlass.

Ein merkwürdiges Bild – und doch beschreibt es ziemlich genau das Lebensgefühl vieler Frauen in diesem Land.

Wer heute durch bestimmte Viertel deutscher Städte geht, weiß: Freiheit ist keine Selbstverständlichkeit mehr. Junge Frauen passen ihre Kleidung an. Sie wägen Blicke ab. Sie kalkulieren Wege. Nicht aus Eitelkeit, sondern aus Vorsicht. Nicht, weil sie es wollen, sondern weil sie es müssen.

Und wir tun so, als sei das normal.

Wir reden von „kultureller Vielfalt“, während sich parallel eine Kultur der Einschüchterung etabliert. Eine Haltung, die Frauen nicht als selbstbestimmte Individuen sieht, sondern als zu beaufsichtigende Wesen. Eine Moralvorstellung, die nicht überzeugen will, sondern dominieren.

Natürlich darf jeder seine Religion leben. Das ist nicht verhandelbar. Aber Religion endet dort, wo sie anderen ihre Freiheit nimmt. Wo sie ihnen vorschreibt, wie sie sich zu kleiden, zu lieben oder zu verhalten haben. Wo sie mit moralischer Überheblichkeit auftritt und Kritik sofort als Feindseligkeit brandmarkt.

Es ist kein Geheimnis, dass Teile des politischen Islam mit Demokratie, Gleichberechtigung und Religionsfreiheit auf Kriegsfuß stehen. Wer das ausspricht, gilt inzwischen schnell als „rechts“. Als intolerant. Als rückständig. Das eigentliche Problem wird damit nicht gelöst – es wird tabuisiert.

Meinungsfreiheit bröckelt nicht mit einem großen Knall. Sie erodiert leise. Durch soziale Ächtung. Durch moralischen Druck. Durch das ständige Signal: Bestimmte Fragen stellt man besser nicht.

Gleichzeitig verändern sich unsere Städte sichtbar. Wer offen religiöse Symbole trägt – Kreuz, Davidstern oder Kippa –, überlegt inzwischen zweimal, in welchem Viertel er sich bewegt. Das ist kein rechtes Narrativ, sondern Alltagserfahrung vieler Menschen.

Und nein, das hat nichts mit „Vielfalt“ zu tun. Vielfalt entsteht organisch, über Zeit, durch gegenseitige Akzeptanz. Was wir derzeit erleben, ist oft keine Integration, sondern Parallelität. Keine Bereicherung, sondern Abgrenzung.

Zehn Jahre haben gereicht, um aus falsch verstandener Toleranz eine einseitige Rücksichtnahme zu machen. Um Regeln zu relativieren, die wir uns selbst jahrzehntelang auferlegt haben. Um Kritik reflexhaft zu delegitimieren.

Ein liberales Land zeichnet sich nicht dadurch aus, dass es alles hinnimmt. Sondern dadurch, dass es seine Grundwerte verteidigt. Gleichberechtigung. Rechtsstaatlichkeit. Meinungsfreiheit. Religionsfreiheit – für alle, nicht nur für die Lautesten.

Wenn Frauen wieder lernen, sich unsichtbar zu machen, dann ist das kein Zeichen von Sensibilität. Es ist ein Alarmsignal.

Und vielleicht sollten wir endlich aufhören, so zu tun, als hörten wir es nicht.

Kolumne zum Wochenende

Earth and sky views taken astronaut Scott Carpenter

Es ist kalt, meine Damen und Herren

Achtung, es friert – bitte hinlegen

Deutschland hat wieder Winter. Und damit ist der Ausnahmezustand ausgerufen. Nicht wegen Schnee oder Eis – damit käme man klar –, sondern wegen völliger administrativer, politischer und geistiger Überforderung. Temperaturen unter null reichen inzwischen aus, um Staat, Schulen, Kommunen und gesunden Menschenverstand gleichzeitig lahmzulegen.

Dabei war der Winter angekündigt. Wochen vorher. Im Kalender. Jedes Jahr. Überraschend wie ein Montag.

Natürlich wünschen wir uns Schnee. Romantisch soll er sein, bitte mit Weihnachtsmarktgefühl, Alpenillusion im Flachland und ausreichend Daunenmaterial, damit man aussieht wie ein Michelin-Männchen auf Bildungsreise. Zehn Tassen Jagertee erledigen den Rest. Realität? Unerwünscht.

Denn sobald es glatt wird, beginnt die nationale Selbstaufgabe. Menschen stürzen, Kommunen zucken mit den Schultern, Politiker erklären die Physik für problematisch. Eis ist rutschig? Klingt nach rechter Wissenschaft.

Das Streusalz ist alle. Wieder. Niemand konnte das vorhersehen. Winter kam plötzlich. Unerwartet. Fast so überraschend wie steigende Heizkosten im Januar. Wer privat kocht, hat Salz auf Vorrat. Wer öffentliche Verantwortung trägt, offenbar nicht. Vielleicht sollten wir die Rathäuser einfach von Kantinenleitern übernehmen lassen. Die kennen sich wenigstens mit Grundversorgung aus.

Berlin allerdings spielt Champions League im Versagen. Dort schützt man konsequent die Bäume – indem man Menschen fallen lässt. Streusalz auf Gehwegen? Verboten! Die Bäume könnten leiden. Stattdessen leiden jetzt Fußgänger. Prioritäten müssen sein. Der moderne Staat opfert den Bürger für das ökologische Gefühl.

Krankenhäuser laufen voll. Oberschenkelhälse brechen wie Koalitionen. Radiologen feiern, Krankenkassen rechnen, und der Beitragszahler lernt Demut. Besonders pädagogisch wertvoll war der Sturz eines ehemaligen Tagesschau-Sprechers, den nur noch seine Apple Watch retten konnte. Der Staat war beschäftigt. Danke, Silicon Valley. Danke, Berlin.

Ironie des Schicksals: Dieselbe Politik, die Tech-Konzerne sonst moralisch bekämpft, zwingt nun halb Berlin zur Apple Watch – aus purem Überlebenswillen. Der Senat als unfreiwilliger Markenbotschafter. Wirtschaftsförderung durch Eisglätte. Muss man sich auch erst mal trauen.

Dabei ist die Sache eigentlich simpel: Der Staat soll Schaden von seinen Bürgern abwenden. Punkt. Nicht „abwägen“, nicht „diskutieren“, nicht „modellieren“. Aber offenbar gilt heute: Wer fällt, hat versagt. Selbstverantwortung! Warum nicht gleich Helmpflicht für Fußgänger? Oder besser: Gehwegverbot bei Minusgraden.

Das Elend endet nicht auf der Straße. Sobald es friert, bricht auch das Bildungssystem zusammen. Schulen schließen, weil der Schulweg unzumutbar sei. Schülern traut man weder Goethe noch Schiller zu, Shakespeare schon gar nicht – aber ein bisschen Schnee ist endgültig zu viel. Wir erziehen keine Bürger mehr, sondern Wetteropfer.

Dieses Land scheitert nicht am Klima. Es scheitert an Verantwortung. Der Winter ist nicht das Problem. Das Problem ist eine Politik, die bei Frost in Deckung geht und bei Konsequenzen ausrutscht.

Deutschland rutscht nicht aus.

Deutschland lässt sich fallen.

(Ich brauche jetzt meine Blutdrucktabletten.)

Ich habe fertig.