Auf dem Gedankenstrom

scenic river flowing through mountain valley

Gegen die Vergangenheit
kein Widerstand mehr.
Ich treibe.

Im Strom der Gedanken –
nicht leicht,
nur leichter als zuvor.

Sie kommen,
gehen,
lassen Reste zurück.

Wünsche.
Schuld.
Dinge,
die sich nicht auflösen.

Träume –
nicht gezählt,
nur verbraucht.

Vielleicht nichts versäumt.
Vielleicht alles.

Und doch:
Ich würde wieder so gehen,
durch dieselben Risse,
dieselben Irrtümer,
dieselbe Blindheit.

Aus Trotz.
Oder weil es keinen anderen Weg gab.

Zuversicht?
Ein leiser Rest davon.
Hartnäckig.

Nichts hält.
Nichts bleibt.

Und doch –
geht nichts verloren.

Als die Welt stillstand

horses running in a shadow

Er ging, ohne sich zu verabschieden.

Die Stimmen blieben hinter ihm zurück, das Lachen, das Klirren von Gläsern – alles verlor sich, noch bevor er die Straße erreichte. Es war eine dieser Feiern, die Menschen veranstalten, nur weil sie älter geworden sind. Er hatte nie verstanden, warum man das feiert. Mit jedem Jahr, dachte er, rückt der Tod näher.

Leise. Unaufhaltsam. Warum also diese Annäherung feiern?

Geboren zu werden war keine Leistung. Das hatten andere entschieden. Seine Eltern. Vielleicht war selbst das nur ein Zufall gewesen, ein Versehen. Und ein Versehen – was gäbe es daran zu feiern?

Er pfiff leise. Chester kam sofort.

Die Halsung, eine feine Lederarbeit einer Freundin, lag ruhig um seinen Hals. Kein Widerstand, kein Zögern. Das leise Klicken des Karabiners klang wie ein kleines Versprechen.

Dann gingen sie.

Der Weg führte hinaus aus dem Ort, hinein in die offene Nacht. Der Mond stand hoch, bereits im Abnehmen, und legte ein blasses Licht über die Felder. Rechts das Maisfeld, dicht und hoch. Links die dunkle Buchenhecke. Ein schmaler Gang durch Schatten. Für einen Moment stellte er sich vor, ein Zug käme ihnen entgegen. Er würde ihn nicht sehen, bis es zu spät wäre.

Über ihnen flatterten Fledermäuse. In der Ferne rief eine Eule.

„Jetzt jagen sie“, sagte er leise. „Sie finden ihre Beute – und die Beute weiß es.“

Er hatte keine Angst. Es gab nichts, was ihm Angst machen konnte.

Hinter der Straße wurde es weiter. Offener. Die abgeernteten Felder lagen still, und die Eichen standen darin wie stumme Wächter. Hoch, unbeweglich, als hätten sie alles schon gesehen. Chester blieb stehen, schnupperte, ging weiter, blieb wieder stehen. Er lebte in einer Welt, die ihm verschlossen blieb.

Du hast es gut, dachte er.

Kein Gestern. Kein Morgen. Nur jetzt. Und doch – du hast etwas, das uns fehlt. Du vertraust. Du gehst einfach mit. Immer.

Der Nebel kam langsam. Er kroch über die Felder, legte sich in die Senken, wurde dichter. Das Licht des Mondes verlor seine Schärfe, wurde weich, beinahe milchig. Die Luft roch nach feuchter Erde, nach Gras, nach Verfall.

Als sie die Pferde hörten, blieben sie stehen. Zuerst nur ein Schnauben. Dann das leise, dumpfe Trommeln von Hufen. Die Körper tauchten aus dem Nebel auf, groß und ruhig, als gehörten sie nicht ganz in diese Welt.

Chester erstarrte.

Still. Wach.

Die Pferde kamen näher. Schritt für Schritt, bis sie an der Umzäunung standen.

Er hob die Hand. Eine Fuchsstute trat vor, senkte den Kopf und legte ihre warmen Nüstern in seine Hand. Er bewegte sich nicht.

Für einen Moment war alles still.

Nicht nur ruhig – still. Als hätte die Welt selbst aufgehört, sich zu drehen.

Dann bellte Chester.

Ein kurzer Laut – und alles zerbrach.

Die Pferde stoben auseinander, verschwanden im Nebel. Hufe, Atem, Bewegung – dann nur noch Klang, dann nichts mehr. Der Nebel nahm sie auf. Als wären sie nie da gewesen.

Er blieb stehen.

Atmete ein.

Aus.

Dann griff er nach der Leine. Sie gingen weiter.

Der Weg war kaum noch zu erkennen. Alles war Grau geworden, weich, grenzenlos. Erst weit vorne erschienen Lichter. Warm. Still. Menschlich.

Dort saßen sie. Vor ihren Bildschirmen. Und wussten nichts.

Noch ein paar Schritte.

Dann war die Nacht wieder vorbei.

Fallende Minuten

Am späten Abend

wandere ich

durch die Kälte des Tages,

der leise vergeht.

 

Die Luft ist klar,

kein Wind,

nur Stille –

und fern

ein letzter Vogel,

der sein Nachtlager sucht.

 

Es ist die Zeit,

in der die Gedanken

langsamer werden,

zur Ruhe finden,

und der Tag

noch einmal

an mir vorüberzieht.

 

Was bleibt,

halte ich fest –

für morgen,

für später.

 

Im Licht der sinkenden Sonne

glühen die Blätter

tiefer als am Tag.

Sie lösen sich,

schweben,

fallen –

 

wie Minuten

unseres Lebens:

vergangen,

unwiederbringlich.

 

Und doch –

nichts geht verloren.

 

Was vergeht,

wird zu neuem Leben,

zu neuen Gedanken,

die wachsen

im Stillen.

Kolumne zum Wochenende

Heimat? Was ist das?

Neulich hörte ich einen interessanten Podcast über den Begriff Heimat und seine Bedeutung in der heutigen Zeit.  Dabei wurden viele Facetten beleuchtet, die mich zum Nachdenken anregten.  Eigentlich hatte ich mir über Heimat bisher keine großen Gedanken gemacht, außer wenn mich jemand fragt, woher ich komme. Dann überlege ich kurz: Woher komme ich eigentlich? Was ist für mich Heimat?

Es ist nicht einfach zu definieren. Mit 19 Jahren bin ich von zu Hause ausgezogen und meine erste Station war Hamburg. Eine Stadt, in der ich gelernt habe, eigenverantwortlich zu leben, die ich geliebt und in der ich gerne gelebt habe, die ich aber auch ohne Zögern wieder verlassen konnte. So ging es mir auch bei späteren Umzügen.  Es war mir nie wichtig, an dem Ort zu leben, an dem ich aufgewachsen bin, oder in der unmittelbaren Umgebung. Oft wurde ich von Bekannten und Verwandten gefragt, wann oder ob ich überhaupt wieder „nach Hause“ kommen würde.  Schon früh habe ich gemerkt, dass viele in meiner Generation und wahrscheinlich auch die nachfolgenden Generationen Schwierigkeiten haben, ihre Heimat zu verlassen.

Das lässt mich fragen, ob ich, als ich fortgezogen bin, meine Heimat wirklich „verlassen“ habe.  Ist der Heimatbegriff also etwas, das uns auch physisch an die Orte bindet, in denen wir aufgewachsen sind? Viele Menschen können sich nicht vorstellen, jemals fortzuziehen. Ich konnte es immer und werde es immer können, denn für mich ist dort, wo ich wohne, immer mein Zuhause, aber nicht meine Heimat.

Heimat ist für mich dort, wo meine Wurzeln liegen, wo ich meine Sprache sprechen kann und ein Gefühl der Zugehörigkeit verspüre. Obwohl sich die Umgebung verändert hat, Menschen gekommen und gegangen sind und vieles kaum wiederzuerkennen ist, fühle ich mich bei meiner Rückkehr immer noch als Teil des Ganzen. Auch wenn viele heute nicht mehr die alte Sprache sprechen, hat mir die Heimat eine Identität gegeben, die ich immer in mir tragen werde.

Wenn ich an meine Heimat denke, sehe ich sie mit den Augen der Zeit, als ich noch dort lebte. Ich erinnere mich an die Felder, die mir als Kind unendlich groß vorkamen, an Menschen, die langsam auf schmalen und schlecht ausgebauten Straßen Fahrrad fuhren, und an Traktoren, die mit Anhängern das Heu nach Hause brachten, um es im Heuschober zu lagern. Ich erinnere mich an Pferdefuhrwerke, das Schnauben der Pferde, ihr glänzendes Fell und ihre weichen Nüstern. Ich war so klein, dass ich mühelos unter einem Pferd hindurchlaufen konnte, was ich auch tat, ohne dass jemand Angst hatte, das mir etwas zustoßen könnte. Ich erinnere mich an die Stille auf den Äckern und Weiden, bevor es Traktoren gab, und an die Feldlerchen, die hoch oben in der Luft ihr Lied sangen. Die Luft flirrte vor Hitze und wir suchten Schatten. Als Kinder gruben wir unsere Hände in den Acker, um die kühle Erde zu fühlen – die kühle, schwarze Erde der Heimat, deren Duft ich heute noch riechen kann.

Ich kann den Geruch des Stalls noch immer einatmen, in dem die Kühe im Winter Schutz suchten. Ich rieche das Heu, das mein Vater sorgfältig auseinanderbrach, um es den Tieren zu füttern. Die friedliche, unschuldige Stille des Stalls umhüllte mich. Zu allem Überfluss lief die Katze immer dazwischen, doch ihr passierte nichts. Es war, als ob alle auf dem Bauernhof aufeinander aufpassen würden.

Der Bauernhof ist meine Heimat im Kleinen. Hier war das Zentrum unseres Lebens. Hier versammelten sich drei Generationen abends am Tisch. Doch all das ist nicht mehr. Niemand von ihnen lebt noch. Jetzt bin nur ich noch da. Auch der Bauernhof ist nicht mehr.  Doch man kann noch Spuren der Vergangenheit erkennen. Wenn ich am Deich entlangfahre, anhalte und zum Hof – der umfangreich umgebaut wurde – hinüberschaue, verwandelt sich das Bild. Ich sehe meinen Vater wieder bei den Kühen auf der Weide, immer mit einem Lausbubenlächeln, trotz der unendlich harten Arbeit. Ich sehe meine Mutter aus dem Stall kommen, in eine übergroße Jacke gehüllt, ihr Haar mit einem Tuch bedeckt. Neben dem Haus sehe ich einen großen Mann, der sich mit über 80 Jahren auf sein Fahrrad schwingt und noch Besuche bei Menschen macht, die viel jünger sind als er. Er sagte immer, dass er noch Ältere besuchen müsse. Das war mein Großvater.

Doch dann verschwimmt das Bild und langsam sehe ich die Gegenwart wieder. Ich weiß, dass alles gut ist. Dass meine Vergangenheit einmal Gegenwart war und mein Vater an seine Vergangenheit gedacht hat. Aber das ist eine andere Geschichte. All das und noch unendlich viel mehr ist meine Heimat. Sie wird es immer bleiben.

Kolumne zum Wochenende

Die neue Selbstverständlichkeit der Angst

Sonntag. Die Luft steht. Die Bäume rühren sich nicht. Man könnte meinen, sie hätten gelernt, dass es sicherer ist, nicht aufzufallen. Bloß kein Geräusch. Bloß kein Anlass.

Ein merkwürdiges Bild – und doch beschreibt es ziemlich genau das Lebensgefühl vieler Frauen in diesem Land.

Wer heute durch bestimmte Viertel deutscher Städte geht, weiß: Freiheit ist keine Selbstverständlichkeit mehr. Junge Frauen passen ihre Kleidung an. Sie wägen Blicke ab. Sie kalkulieren Wege. Nicht aus Eitelkeit, sondern aus Vorsicht. Nicht, weil sie es wollen, sondern weil sie es müssen.

Und wir tun so, als sei das normal.

Wir reden von „kultureller Vielfalt“, während sich parallel eine Kultur der Einschüchterung etabliert. Eine Haltung, die Frauen nicht als selbstbestimmte Individuen sieht, sondern als zu beaufsichtigende Wesen. Eine Moralvorstellung, die nicht überzeugen will, sondern dominieren.

Natürlich darf jeder seine Religion leben. Das ist nicht verhandelbar. Aber Religion endet dort, wo sie anderen ihre Freiheit nimmt. Wo sie ihnen vorschreibt, wie sie sich zu kleiden, zu lieben oder zu verhalten haben. Wo sie mit moralischer Überheblichkeit auftritt und Kritik sofort als Feindseligkeit brandmarkt.

Es ist kein Geheimnis, dass Teile des politischen Islam mit Demokratie, Gleichberechtigung und Religionsfreiheit auf Kriegsfuß stehen. Wer das ausspricht, gilt inzwischen schnell als „rechts“. Als intolerant. Als rückständig. Das eigentliche Problem wird damit nicht gelöst – es wird tabuisiert.

Meinungsfreiheit bröckelt nicht mit einem großen Knall. Sie erodiert leise. Durch soziale Ächtung. Durch moralischen Druck. Durch das ständige Signal: Bestimmte Fragen stellt man besser nicht.

Gleichzeitig verändern sich unsere Städte sichtbar. Wer offen religiöse Symbole trägt – Kreuz, Davidstern oder Kippa –, überlegt inzwischen zweimal, in welchem Viertel er sich bewegt. Das ist kein rechtes Narrativ, sondern Alltagserfahrung vieler Menschen.

Und nein, das hat nichts mit „Vielfalt“ zu tun. Vielfalt entsteht organisch, über Zeit, durch gegenseitige Akzeptanz. Was wir derzeit erleben, ist oft keine Integration, sondern Parallelität. Keine Bereicherung, sondern Abgrenzung.

Zehn Jahre haben gereicht, um aus falsch verstandener Toleranz eine einseitige Rücksichtnahme zu machen. Um Regeln zu relativieren, die wir uns selbst jahrzehntelang auferlegt haben. Um Kritik reflexhaft zu delegitimieren.

Ein liberales Land zeichnet sich nicht dadurch aus, dass es alles hinnimmt. Sondern dadurch, dass es seine Grundwerte verteidigt. Gleichberechtigung. Rechtsstaatlichkeit. Meinungsfreiheit. Religionsfreiheit – für alle, nicht nur für die Lautesten.

Wenn Frauen wieder lernen, sich unsichtbar zu machen, dann ist das kein Zeichen von Sensibilität. Es ist ein Alarmsignal.

Und vielleicht sollten wir endlich aufhören, so zu tun, als hörten wir es nicht.

Kolumne zum Wochenende

group of people joining hands

Wohin driften wir?

Driften ist ne feine Sache, so lange man es unter Kontrolle behält. Sonst kann es schnell unangenehm werden und es wird ein Schaden ungeahnten Ausmaßes.

Oft sagt man, Deutschland driftet. Viele meinen, es driftet nach links. Dann gibt es Stimmen, die sagen Deutschland driftet in eine ausländerfeindliche Gesellschaft nach rechts ab. Zudem noch die Meinung Deutschland driftet wieder in eine judenfeindliche Gesellschaft ab.

Wie dem auch sei, aber politisch und gesellschaftlich sollte dieses Land nirgendwohin driften. Es ist Aufgabe der Politik, gefährliche Entwicklungen aufzuhalten, solange es noch möglich ist. Demokratie soll ja vieles aushalten müssen, das ist sicherlich richtig. Unliebsame Meinungen, ja, auch solche, die richtig weh tun, bei denen man schlucken muss, müssen wir aushalten. Der Wert einer Demokratie misst sich danach, wie sie mit Andersdenkenden umgeht.

Die Büchse der Pandora

Jahrzehntelang glaubten wir, dieses Deutschland sei gefestigt in Moral und Vernunft. Die Erfahrungen des Nationalsozialismus hätten die Deutschen wach und wachsam gemacht. Wir glaubten, die Gesellschaft wäre ein Bollwerk gegen jeden Radikalität. Weit gefehlt. Die Corona Zeit hat es uns vor Augen geführt. Die Politik bekam Lust (und leider eben auch Gelegenheit) über die Freiheit der Menschen zu bestimmen. Alles um im Namen der vermeintlichen Todesseuche Corona, Herr zu werden. Ich will, und kann hier nicht die Corona Zeit aufarbeiten, dennoch sollten wir uns erinnern. Erinnern an die Gängelei, die Bevormundung, an die moralisch erhobenen Zeigefinger. An das Menekel das an der Wand der Gesellschaft sichtbar wurde. Würden wir nicht der Wissenschaft folgen, (folgen, wieder so ein Unwort) dann würden die Liebsten von uns, die alten und die ganz jungen Menschen, sterben wie die Eintagsfliegen im Hochsommer. Ich habe immer noch das Bild vor Augen wie im Hamburger Jenisch-Park die Polizei mit einem Einsatzwagen, Jagd auf feiernde Jugendliche machte, die von ihrem Grundrecht der Versammlungsfreiheit Gebrauch machten. Ebenso die ersten Bilder aus Bergamo in Italien, die einen Treck von Militär LKW zeigten, die im Dunkeln durch die Stadt fuhren, um Hunderte von Corona Toten aus der Stadt zu bringen. Vergleichbar mit Gemälden, die den Abtransport von Pest-Toten im Mittelalter zeigen, die auf Eselskarren gestapelt aus der Stadt gefahren wurden, um der Seuche Herr zu werden.

Lust an der ungezügelten Macht

Die Politik merkte schnell, wie einfach und leicht sich Grenzen verschieben ließen. Folgsam fügte sich eine Mehrheit der Gesellschaft, den alltäglichen Mahnungen und Horrorszenarien, die vor allem der Gesundheitsminister und einige wohl mit hellseherischen Fähigkeiten versehenden Virologen verbreiteten. Sogar Podcast mit diesen angstmachenden Prognosen gab es und unendlich viele hörten sie gebannt und schalteten dabei ihr eigenes Gehirn aus. Wenn es schon so viel „Experten“ sagten, dann müsse es ja wohl auch so sein. Die Massnahmen, die die Grundrechte einschränkte wurden übrigens ohne Legitimation des Bundestages beschlossen.

Der größte Lump im ganzen Land ……..

Langsam schlich sich das Gift der Denunziation ein. Feiernde wurden bei der Polizei gemeldet. Menschen die „zu spät“ im Auto erwischt wurden, bekamen saftige Bußgelder aufgebrummt. Die Städte und Ortschaften glichen Totenstädte. Man traute sich abends kaum noch raus und Menschen mit Hunden fragten tatsächlich beim Ordnungsamt an, ob sie denn den Hund abends noch ausführen durften. Das alles ging ganz schnell. Von einer geordneten Gesellschaft glitt alles in eine totalitär regierte anmutende Gesellschaft, die mit Angst und Repression in Schach gehalten wurde. Die Folgen daraus sind noch nicht abschätzbar. Doch viele sagen sich: Das passiert mir nicht wieder. Ich bin da skeptisch.

Die moralische Keule tötet die Demokratie

Doch es gibt noch etwas, dass sich im Unguten bewegt: Die fehlende Akzeptanz der Andersdenkenden. Wer Dinge benennt, die nicht in den Kanon des linksgrünen Moralwächter passt, der wird schnell mit der Nazi Keule bedroht. Wer das Offensichtliche, wie zum Beispiel, dass Einwanderer aus muslimisch geprägten Staaten überproportional an Gewalttaten beteiligt sind, benennt, der wir zum Ausländerfeind erklärt. Nicht Fakten, sondern das moralisch nicht Akzeptierte ist das Problem. Eine frische Debattenkultur, das wünsche ich mir zurück. Ja, zurück, denn die hatten wir mal. Alles hat sich mittlerweile verschoben. Da wird wegen jeder Äußerung Übel genommen. Sofort ist man gekränkt und Politiker in den höchsten Ämtern fühlen sich beleidigt. Strafanzeigen gegen Bürger sind heute an der Tagesordnung. Das ganze gipfelt dann in einer Hausdurchsuchung. Wer eine Ministerpräsidentin als „Märchenerzählerin tituliert, der bezahlt ein saftiges Bußgeld mit Androhung von Erzwingungshaft.

Majestätsbeleidigung in einer Demokratie

Es sind Worte, es sind Demonstrationen, die das Volk hat, um gegen Regierende zu demonstrieren. Wir sind sicher weit weg von einer Diktatur, doch gibt es Züge in der Politik, die eindeutig diktatorisch sind. Die Verächtlichmachung der Politiker gehörte schon immer zum Wesen einer demokratischen Gesellschaft. Politiker der SPD fordern tatsächlich, dass die Verächtlichmachung von Politikern unter Strafe gestellt wird. Die Arbeitsministerin Bärbel Bas, wurde auf einer Versammlung von Arbeitgebern ausgelacht, weil sie offensichtlichen Unsinn erzählt hat. Statt das allerdings zuzugeben, erklärte sie nachfolgend, dass die wahren Feinde der Politik, die Unternehmer seien.

Das schleichende Gift

Wie schon erwähnt, muss die Politik, müssen die Regierenden, sich darum kümmern, dass jeder in diesem Land sicher ist. Sicher vor gewalttätigen Extremisten, die darauf aus sind unsere Gesellschaft zu Fall zu bringen. Die, die mit Verachtung auf unsere freie Gesellschaft schauen und mit einer unerträglichen Überheblichkeit auftreten. Heute ist es wieder so weit, dass Tausende durch die ehemalige Reichshauptstadt ziehen und ungeniert den Tod aller Juden fordern. Das Gift des Antisemitismus war nie weg. Die Freude es den Juden „heimzuzahlen“ ist tatsächlich in der Gesellschaft wieder „en Vogue“. Kritik an der Situation in Nahost wird gern genutzt um pauschaliert die Juden für alles verantwortlich zu machen. Ganz offen geschieht das sogar in Teilen von demokratisch gewählten Abgeordneten der Kommunen und sogar des Bundestages. Politikerdarteller aus Linkspartei posieren ganz ungeniert mit Hamas-Freunden auf Demonstrationen. Es besteht die ernstzunehmende Möglichkeit, dass jemand mit dieser antisemitischen DNA, im Jahr 2026 Bürgermeister von Berlin wird und alle finden das ganz normal.

Die Angst vor der Vergangenheit die uns einholt

Man muss nicht dieser Leier kommen, dass jüdisches Leben in Deutschland selbstverständlich sein sollte. Was sollte es denn sonst sein? Wie kann es sein, dass vor Synagogen Polizeiwachen stehen? Wie kann es sein, dass mich eine Verkäuferin in der Bäckerei, in der ich meine Brötchen Sonntags kaufe, mich sichtlich nicht bedient, weil ich einen Davidstern offen trage? Ihr verächtlicher Blick war schmerzhaft. Wie kann es sein, dass in einem Laden in Flensburg jemand ungeniert ein Schild platziert, auf dem steht, dass Juden hier nicht erwünscht sind? All das wird mit zur Schau gestellter Betroffenheit kommentiert und dann kommt wieder dieses unsägliche „Nie wieder“.

Ich habe aber immer noch Hoffnung, das die politischen Verantwortlichen und die Gesellschaft insgesamt erkennen, wo die wahren Feinde unserer Gesellschaft sind.

Jann-Bernd Webermann

25.12.2025