Flüssig gewordene Sehnsucht

fizzing sea wave

Die Brandung.

Immer wieder
wirft sie die Wellen an den Strand,
als gäbe es kein anderes Ziel,
als müssten sie etwas erreichen,
das sie nie halten können.

Es ist, als rufe dich das Meer.
Nicht laut.
Eher ein Ziehen,
tief unter der Haut.

Eine Sehnsucht,
flüssig geworden.

Du bleibst stehen.
Ziehst Schuhe und Strümpfe aus,
lässt sie achtlos zurück.

Der Sand trägt dich.
Hell, fast unwirklich,
durchzogen von Muschelschalen,
zerbrechlich wie das,
was in dir nachklingt.

Du gehst weiter.
Schritt für Schritt.

Bis das Wasser dich erreicht.

Kalt.
Zärtlich.
Unaufhaltsam.

Es umspült deine Füße,
zieht sich zurück,
kommt wieder —
als würde es dich prüfen,
oder erinnern.

Und für einen Moment
hörst du auf, dich zu wehren.

Da ist keine Grenze mehr.
Nicht zwischen dir und dem Meer.
Nicht zwischen dir und dem,
was dich ruft.

Nur dieses leise Wissen:

Du bist nicht getrennt.

Du warst es nie.

Chester

Wir sind durch die Jahre gegangen

wie durch weiches Licht –

du neben mir,

manchmal vor mir,

nie wirklich fort.

Auf den Ausstellungen

standest du im Glanz,

getragen von Menschenhand –

und doch war es dein Wesen,

das alle Blicke hielt.

Und dann wieder die Wege,

die nur uns gehörten:

Schritte im Gras,

der Atem der Zeit zwischen uns,

kein Ziel, nur Sein.

Du bist gelaufen, Chester –

so selbstverständlich,

als gäbe es kein Ende.

Und vielleicht gibt es das auch nicht.

Denn jetzt,

wo deine Schritte leiser werden,

sprichst du auf eine andere Weise:

in deinem Blick,

in deiner Nähe,

in dem, was bleibt,

wenn alles andere langsamer wird.

Sechzehn Jahre –

und kein einziger davon verloren.

Nur verwandelt

in Liebe,

die nicht vergeht.